Lade-Lotte

Bidirektionales Laden: was heute schon geht

Das E-Auto als Stromspeicher fürs Haus oder fürs Netz: Lange war das Zukunftsmusik, 2026 gibt es erste Serienangebote. Für wen sich das schon lohnt und worauf du achten musst.

Stand: 6. November 2026

Drei Arten, das Auto als Speicher zu nutzen

KürzelWas passiertWas du brauchst
V2LAuto versorgt einzelne Geräte (Kaffeemaschine, Werkzeug, Camping)Adapter oder Steckdose am Auto
V2HAuto versorgt das Haus, etwa abends mit Solarstrom vom Tagbidirektionale Wallbox, freigegebenes Auto, Energiemanagement
V2GAuto speist ins Netz zurück und stabilisiert es gegen Vergütungzusätzlich passender Tarif und Smart Meter

Welche Autos es können

  • VW ID.-Modelle: Alle Modelle mit ID. Software 6 können bidirektional laden, bei Software 3.5 bis unter 6 nur mit mindestens 77 kWh Akku. V2L geht ab Software 6 mit bis zu 3,6 kW. V2H und V2G nur mit einer von VW freigegebenen DC-Wallbox. Bei älterer Software begrenzt VW die Entladung auf 10.000 kWh und 4.000 Stunden.
  • BMW iX3 (Neue Klasse): V2G mit der BMW Wallbox Professional, zusammen mit einem Tarif von E.ON.
  • Mercedes-Benz: Seit Oktober 2026 V2G in Deutschland, zuerst für den elektrischen GLC und die neue C-Klasse. CLA, GLA, GLB, EQS und weitere sollen per Software-Update folgen.
  • Renault 5: V2G läuft in Frankreich mit der AC-Wallbox Mobilize PowerBox Verso (Stand der Quelle: Oktober 2024). Ein Starttermin für Deutschland lag uns nicht vor.

Bidirektionale Wallboxen

Die derzeit für Privatkunden angebotenen Lösungen sind laut ADAC Gleichstrom-Wallboxen mit 11 kW:

WallboxPreis laut ADACStatus 2026
BMW Wallbox Professionalab 2.095 € bruttobestellbar, V2H und V2G
Ambibox ambiCHARGEab 2.995 € nettobestellbar, V2H und V2G
EVTEC crema&chargekeine Angabeeher gewerblich, nur V2H
The Mobility House ChargeLine BiDikeine Angabeangekündigt ab Herbst 2026
Hager Witty Flexkeine Angabeangekündigt ab 4. Quartal 2026

Dazu kommt die im Juni 2026 vorgestellte DC-Wallbox von E3/DC. Volkswagen führt eine eigene Liste freigegebener Wallboxen für seine ID.-Modelle.

Erste V2G-Tarife

  • BMW und E.ON: 0,24 € Bonus pro Stunde, in der das Auto angesteckt ist, höchstens 720 € im Jahr. Smart Meter ist Pflicht.
  • VW und Elli: bis zu 720 € im ersten Jahr, Bestellung soll Ende 2026 möglich sein. Haushalte mit eigener PV-Anlage sind ausgeschlossen.
  • Mercedes-Benz: 11,75 ct pro angesteckter Stunde ohne Obergrenze. Die passende Wallbox kostet regulär 2.990 €, im Einführungsangebot für die ersten 500 Kunden bis Ende März 2027 1.990 €.

Rechtslage 2026

Lange bremste eine Doppelbelastung: Strom wurde beim Laden mit Netzentgelten belastet und beim Rückspeisen erneut. Der Bundestag hat im November 2025 beschlossen, dass zwischengespeicherter Strom, der zeitversetzt ins Netz zurückfließt, davon befreit ist. Die Netzentgelt-Befreiung gilt seit dem 1. Januar 2026. Die Regeln der Bundesnetzagentur zur Abgrenzung der Strommengen gelten seit Oktober 2026, bis Ende September 2027 hängt ihre Anwendung aber von der Zustimmung von Netz- und Messstellenbetreiber ab.

Auch die Förderung im Mehrparteienhaus berücksichtigt das Thema: Für einen bidirektionalen Ladepunkt gibt es bis zu 2.000 € statt 1.500 € pro Stellplatz.

Lohnt sich das für dich?

Der ADAC hält eine bidirektionale Wallbox für die meisten derzeit noch nicht für lohnend: Es gibt wenige freigegebene Modelle, kaum Kompatibilität über Herstellergrenzen und hohe Gerätepreise. Interessant ist es heute vor allem, wenn dein Auto zu einem der V2G-Angebote passt und der Bonus die Mehrkosten der Wallbox in einigen Jahren wieder hereinholt. Wer jetzt eine normale Wallbox kauft, verbaut sich wenig: Bei den heute in Deutschland angebotenen Lösungen ist für V2H und V2G ohnehin eine eigene DC-Wallbox nötig. Einige AC-Wallboxen werden als vorbereitet für bidirektionales Laden beworben; der ADAC rät dann, auf den Standard ISO 15118-20 zu achten.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen V2L, V2H und V2G?

Bei V2L (Vehicle-to-Load) versorgt das Auto über eine Steckdose einzelne Geräte. Bei V2H (Vehicle-to-Home) versorgt es das Haus, bei V2G (Vehicle-to-Grid) speist es ins Stromnetz zurück und kann damit Geld verdienen.

Brauche ich für bidirektionales Laden eine besondere Wallbox?

Ja. Die derzeit erhältlichen Lösungen für Privatkunden sind Gleichstrom-Wallboxen (DC) mit rund 11 kW, die deutlich teurer sind als normale Wallboxen. Sie müssen vom Autohersteller freigegeben sein.

Lohnt sich bidirektionales Laden schon?

Für die meisten noch nicht, sagt der ADAC: wenige Modelle, kaum herstellerübergreifende Kompatibilität und hohe Kosten. Erste V2G-Tarife zahlen aber spürbare Boni, bei BMW und E.ON bis zu 720 € im Jahr, was die Rechnung für passende Autos verändern kann.

Fallen beim Rückspeisen doppelte Netzentgelte an?

Nicht mehr für Netzentgelte: Strom, der zwischengespeichert und zeitversetzt ins Netz zurückgespeist wird, ist seit dem 1. Januar 2026 davon befreit. Die genaue Umsetzung hängt bis 2027 noch von Netz- und Messstellenbetreiber ab.