Lade-Lotte

Wallbox kaufen: worauf es ankommt

Die teuerste Wallbox ist nicht automatisch die beste. Entscheidend sind sechs Punkte: die passende Leistung, der Fehlerstromschutz, Kabel oder Buchse, die Steuerbarkeit für den Netzbetreiber, der Zugangsschutz und ob du Strom abrechnen musst.

Stand: 6. November 2026

Checkliste vor dem Kauf

KriteriumWorauf achten
Ladeleistung11 kW reichen fast immer. 22 kW nur, wenn dein Auto 22 kW AC kann.
FehlerstromschutzEingebaute DC-Fehlerstromerkennung 6 mA (IEC 62955) spart den teuren FI Typ B.
KabelFest angeschlagen (bequem) oder Typ-2-Buchse (flexibel). Länge nach Stellplatz und Ladeklappe.
§ 14a EnWGSteuereingang oder EEBUS-Schnittstelle, Drosselung auf 4,2 kW möglich.
ZugangsschutzRFID, Schlüsselschalter oder App, wenn die Wallbox frei zugänglich hängt.
AußenmontageSchutzart (IP) und Stoßfestigkeit (IK) laut Datenblatt.
SolarstromPV-Überschussladen und automatische Phasenumschaltung, falls eine PV-Anlage da ist oder kommt.
AbrechnungSeparater oder eichrechtskonformer Zähler, wenn ein Dienstwagen geladen oder Strom weiterverkauft wird.

1. Die passende Ladeleistung

Wallboxen laden dreiphasig mit 11 kW (3 × 16 A) oder 22 kW (3 × 32 A). Einphasig ist in Deutschland bei 20 A, also rund 4,6 kW, Schluss. Viel wichtiger als die Wallbox ist der Bordlader im Auto: Er bestimmt, wie viel Leistung tatsächlich ankommt. Eine 22-kW-Wallbox lädt nur ein Auto schneller, das auch 22 kW annehmen kann. Ein Auto mit einphasigem Bordlader bekommt an einer 11-kW-Wallbox sogar nur 3,7 kW.

Der ADAC hält 11 kW für zu Hause für ausreichend. Eine 22-kW-Wallbox kostet oft kaum mehr, braucht aber eine Genehmigung des Netzbetreibers und eine stärkere Zuleitung. Was für dein Auto gilt, zeigt der Rechner oder die Seite deines Modells unter E-Autos.

2. Fehlerstromschutz: Typ A oder Typ B?

Nach DIN VDE 0100-722 braucht jeder Ladepunkt einen eigenen Stromkreis mit eigener Absicherung und eigenem Fehlerstromschutzschalter (FI, auch RCD). Weil Autos beim Laden auch Gleichfehlerströme erzeugen können, muss zusätzlich ein Schutz gegen DC-Fehlerströme vorhanden sein.

  • Wallbox mit eingebauter DC-Fehlerstromerkennung (6 mA nach IEC 62955, auch RDC-DD): Laut einer FAQ des DKE-Normenausschusses vom Dezember 2025 reicht dann in der Regel ein FI Typ A oder Typ F.
  • Wallbox ohne diese Erkennung: Dann ist ein FI Typ B nötig, der deutlich teurer ist.

Eine Wallbox mit eingebauter DC-Erkennung kann die Installation also günstiger machen. Was genau verlangt wird, steht im Datenblatt der Wallbox, und die Elektrofachkraft legt es fest.

3. Fest angeschlagenes Kabel oder Typ-2-Buchse

Wallboxen mit festem Kabel sind am häufigsten und im Alltag am bequemsten: abstecken, einstecken, fertig. Die Länge ist dann aber fest. Eine Wallbox mit Typ-2-Buchse nutzt das Ladekabel des Autos und ist flexibler, wenn Autos oder Nutzer wechseln. Miss den Weg von der Wallbox zur Ladeklappe und plane etwas Reserve ein. An offenen Stellplätzen wie Carports empfiehlt der ADAC ein abschließbares Kabel.

Der Stecker ist kein Kriterium mehr: Typ 2 ist seit 2013 EU-Standard für Wechselstrom. Mehr zu Kabeln und Lademodi unter Ladekabel.

4. Steuerbarkeit nach § 14a EnWG

Wallboxen über 4,2 kW, die seit dem 1. Januar 2024 in Betrieb gehen, muss der Netzbetreiber bei Netzengpässen auf 4,2 kW drosseln können. Dafür braucht die Wallbox einen Steuereingang oder eine digitale Schnittstelle. Der Branchenverband VDE FNN sieht für die Steuerbox die Ansteuerung per Relaiskontakt (für eine Übergangszeit) oder digital per EEBUS vor, EEBUS ist als Mindeststandard festgelegt. Im Gegenzug sinkt das Netzentgelt, siehe Wallbox-Kosten.

5. Zugangsschutz, App und Lastmanagement

Hängt die Wallbox frei zugänglich, sollte nicht jeder laden können. Der ADAC empfiehlt eine Freigabe per RFID-Karte, Schlüsselschalter oder App. Eine App über WLAN oder Mobilfunk ist praktischer als Bluetooth mit rund zehn Metern Reichweite. Sollen mehrere Wallboxen an einem Anschluss laden, verteilt ein Lastmanagement die verfügbare Leistung. Für die Anbindung an Abrechnungs- oder Energiemanagementsysteme hat sich das offene Protokoll OCPP etabliert.

6. Zähler und Eichrecht

Lädt nur dein eigenes Auto am eigenen Hauszähler, muss die Wallbox nicht eichrechtskonform sein. Wird Strom weiterverkauft, etwa in einer Eigentümergemeinschaft am Allgemeinzähler, gilt das Mess- und Eichrecht. Beim Dienstwagen reicht für die steuerfreie Erstattung ein separater Zähler, viele Arbeitgeber verlangen aber einen MID-Zähler oder eine eichrechtskonforme Wallbox. Ein eingebauter MID-Zähler allein macht eine Wallbox noch nicht eichrechtskonform. Details unter Dienstwagen zu Hause laden.

Zuleitung und Absicherung: zur Orientierung

Die Zuleitung dimensioniert die Elektrofachkraft nach Leitungslänge, Spannungsfall und Verlegeart. Typische Werte aus Herstellerunterlagen und Fachquellen:

WallboxAbsicherungZuleitung (typisch)
11 kW (3 × 16 A)3 × 16 A (je nach Hersteller bis B20)5 × 2,5 mm² bei kurzen Wegen, länger mehr
22 kW (3 × 32 A)3 × 32 Amindestens 5 × 6 mm², bei langen Wegen 10 mm²

Das sind keine Planungswerte. Installieren darf nur ein Elektrobetrieb, der im Installateurverzeichnis deines Netzbetreibers steht. Er meldet die Wallbox auch an, siehe Wallbox anmelden.

Wallboxen vergleichen

Häufige Fragen

Reicht eine 11-kW-Wallbox?

Für die allermeisten Autos ja. Die meisten E-Autos laden an Wechselstrom ohnehin höchstens mit 11 kW. In unserer Liste können nur 8 Modelle 22 kW, und das meist nur mit aufpreispflichtigem Bordlader.

Brauche ich einen FI-Schutzschalter Typ B?

Nicht unbedingt. Hat die Wallbox eine eingebaute DC-Fehlerstromerkennung (6 mA nach IEC 62955), reicht laut DKE in der Regel ein FI Typ A oder F. Was gilt, steht im Datenblatt der Wallbox.

Festes Kabel oder Buchse?

Ein fest angeschlagenes Kabel ist im Alltag bequemer. Eine Typ-2-Buchse ist flexibler, wenn verschiedene Autos laden oder die Kabellänge variieren soll. Dann nutzt du das Ladekabel des Autos.

Muss meine Wallbox steuerbar sein?

Ja, wenn sie mehr als 4,2 kW hat und seit 2024 in Betrieb geht. Der Netzbetreiber muss sie bei Netzengpässen auf 4,2 kW drosseln können. Achte auf einen Steuereingang oder eine EEBUS-Schnittstelle.

Braucht meine Wallbox einen geeichten Zähler?

Für das eigene Auto am eigenen Hauszähler nicht. Wird Strom verkauft, etwa in Mehrparteienhäusern am Allgemeinzähler, gilt das Eichrecht. Beim Dienstwagen reicht steuerlich ein separater Zähler; viele Arbeitgeber verlangen trotzdem einen MID-Zähler oder eine eichrechtskonforme Wallbox.